Original:
Albertus Magnus über den Unterschied von Seele und Natur
Philosophi [...] de natura animae sermocinantes in hoc a natura distinguunt animam, quia natura est ad unum per se, anima vero plurium per se operativa et etiam contrariorum et contradictorium electiva.
Quelle:
Albertus Magnus:
Die fünfzehn Streitfragen
/
De quindecim problematibus
(
quindec. probl.)
III.
Edition: Albertus Magnus, De quindecim problematibus, edidit P. Mandonnet, in: Alberti Magni Opera omnia (Editio coloniensis) 17, 1, Münster 1975.
Auslegung:
Dieser Text erklärt noch einmal grundlegend den Unterschied von Natur und Seele, den Albert ansonsten im Rahmen seiner Definition der Natur erläutert (Zitate Nummer 99 und 100). An dieser Stelle geht es allerdings schwerpunktmäßig um die menschliche, rationale Seele, wie sich aus Alberts Formulierungen ergibt: Denn während etwas Natürliches insofern regelmäßig agiert, als es „auf eines hin ausgerichtet“ ist, d.h. auf einen bestimmten Reiz immer in einer grundsätzlich festgelegten Weise reagiert, gilt das für die hier gemeinte Seele nicht: Sie ist vielmehr in der Lage, zwischen Verschiedenem zu wählen. Das kann sich nur auf die rationale Seele beziehen, denn nur sie ist nach dem hier zugrundeliegenden aristotelischen Denken fähig, sich gleichzeitig auf Mehreres und auf gegensätzliches zu beziehen. Albert bezieht sich dabei auf eine Formulierung aus Aristoteles’
Metaphysik, in der die Rolle der Rationalität, nicht aber der Seele, sogar klarer ausgesprochen ist als bei Albert selbst (Zitat Nummer 583).
Themen:
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Natur
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Seele
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Mittelalterliche Philosophie
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Natur und Seele
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Wahlfreiheit