Original:
Paulus von Tarsus über die natürliche Kenntnis Gottes bei jedem Menschen
τὸ γνωστὸν τοῦ θεοῦ φανερόν ἐστιν ἐν αὐτοῖς· ὁ θεὸς γὰρ αὐτοῖς ἐφανέρωσεν. τὰ γὰρ ἀόρατα αὐτοῦ ἀπὸ κτίσεως κόσμου τοῖς ποιήμασιν
νοούμενα καθορᾶται, ἥ τε ἀΐδιος αὐτοῦ δύναμις καὶ θειότης, εἰς τὸ εἶναι αὐτοὺς ἀναπολογήτους. διότι γνόντες τὸν θεὸν οὐχ ὡς θεὸν ἐδόξασαν [...] φάσκοντες εἶναι σοφοὶ ἐμωράνθησαν.
Quelle:
Bibel, Neues Testament (Paulus von Tarsus):
Römerbrief
/
ΠΡΟΣ ΡΩΜΑΙΟΥΣ
/
Pauli epistula ad Romanos
(
Röm.)
1, 19-22.
Edition: Novum testamentum Graece. Begründet von E. und E. Nestle. Heraugegeben von B. und K. Aland / J. Karavidopoulos / C. M. Martini / B. M. Metzger, 28. revidierte Auflage, Stuttgart 2012 (griech.).
Auslegung:
Dieser neutestamentliche Text ist traditionell einer der wichtigsten christlichen Belege für die Möglichkeit, Gott mit der Vernunft zu erkennen. Faktisch wirft der Apostel Paulus den Heiden, vermutlich insbesondere den Philosophen, vor, genau diese Erkenntnis nicht erreicht zu haben, obwohl sie ihnen möglich gewesen wäre. Der Text insinuiert im Übrigen, dass diese Gotteserkenntnis ihren Ausgangspunkt von der Schöpfung nimmt, und bereitet so den Gedanken vor, dass man aus der Naturbeobachtung auf Gott schließen kann.
Die Wichtigkeit der Frage, ob eine natürliche Gotteserkenntnis möglich ist, für verschiedene christliche Konfessionen zeigt sich instruktiv an den verschiedenen Bibelübersetzungen: Während die Lutherbibel das griechische
noūmena/νοούμενα als einen Verweis auf Sinneswahrnehmung interpretiert, sieht die katholische Einheitsübersetzung hier – in Anlehnung an die übliche philosophische Terminologie – einen Verweis auf die Tätigkeit des Geistes (
nūs/νοῦς). Damit spiegeln die Übersetzungen unterschiedliche konfessionelle Einschätzungen zur Möglichkeit einer rationalen Gotteserkenntnis.
Themen:
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Gesetz und Gewissen
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Gott
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Tod und Sterben
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Heiden
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Schöpfung
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Weisheit/Weise
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Gotteserkenntnis