Original:
Der Apostel Paulus über die Gewissensfreiheit der Heiden gegenüber dem Gesetz
12 Ὅσοι γὰρ ἀνόμως ἥμαρτον, ἀνόμως καὶ ἀπολοῦνται, καὶ ὅσοι ἐν νόμῳ ἥμαρτον, διὰ νόμου κριθήσονται· 13 οὐ γὰρ οἱ ἀκροαταὶ νόμου δίκαιοι παρὰ [τῷ] θεῷ, ἀλλ᾽ οἱ ποιηταὶ νόμου δικαιωθήσονται. 14 ὅταν γὰρ ἔθνη τὰ μὴ νόμον ἔχοντα φύσει τὰ τοῦ νόμου ποιῶσιν, οὗτοι νόμον μὴ ἔχοντες ἑαυτοῖς εἰσιν νόμος· 15 οἵτινες ἐνδείκνυνται τὸ ἔργον τοῦ νόμου γραπτὸν ἐν ταῖς καρδίαις αὐτῶν, συμμαρτυρούσης αὐτῶν τῆς συνειδήσεως καὶ μεταξὺ ἀλλήλων τῶν λογισμῶν κατηγορούντων ἢ καὶ ἀπολογουμένων, 16 ἐν ἡμέρᾳ ὅτε κρίνει ὁ θεὸς τὰ κρυπτὰ τῶν ἀνθρώπων κατὰ τὸ εὐαγγέλιόν μου διὰ Χριστοῦ Ἰησοῦ.
Quelle:
Bibel, Neues Testament (Paulus von Tarsus):
Römerbrief
/
ΠΡΟΣ ΡΩΜΑΙΟΥΣ
/
Pauli epistula ad Romanos
(
Röm.)
2, 12-16.
Edition: Novum testamentum Graece. Begründet von E. und E. Nestle. Heraugegeben von B. und K. Aland / J. Karavidopoulos / C. M. Martini / B. M. Metzger, 28. revidierte Auflage, Stuttgart 2012 (griech.).
Auslegung:
Dieser Text enthält zentrale Aussagen des Apostels Paulus zu den Heilsmöglichkeiten von Heiden, das heißt von Menschen, die keinen jüdischen Hintergrund haben, aber trotzdem ein gutes Leben führen. Der Hintergrund des Textes ist Paulus’ äußerst einflussreiche Ansicht, dass nicht nur Juden, die weiterhin an ihrem Gesetz festhalten, durch Christus erlöst werden können, sondern alle Menschen, die an Christus glauben. Um dies zu unterstreichen, betont er zum einen, dass der Besitz des (jüdischen) Gesetzes nicht ausreicht, um von Gott gerettet zu werden, sondern dass das auch ein entsprechendes Handeln voraussetzt. Andererseits betont er, dass Heiden das Gesetz in sich selbst tragen und so gut handeln können. Diese Stelle hat spätere Lehren vom Naturgesetz angeregt, denen zufolge ein jeder durch seine Vernunft die Grundregeln moralischen Handelns kennt (vgl. Zitate Nummer 340, 353 und 359). Insofern hat eine Aussage, die eigentlich auf einen spezifischen religiösen Kontext gemünzt war, bedeutende philosophische Theorien inspiriert.
Der letzte Satz des Textes deutet allerdings an, dass es Paulus hier nicht in erster Linie darum geht, auf mögliche gute Handlungen von Nichtjuden hinzuweisen, sondern darauf, dass wichtiger als das religiöse Gesetz die Erlösung durch Jesus Christus ist, die allen angeboten ist, die an ihn glauben.
Themen:
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Gesetz und Gewissen
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Gewissensfreiheit
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Heiden
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Gerechtigkeit (im religiösen Sinn)
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Gesetz (religiöses)
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Gewissen
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Römerbrief (Kapitel 2)