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Philosophische Zitate aus Antike und Mittelalter

Peter Abaelard: Theologia ,Scholarium‘ I 1-2 (p. 318, 1-6)

Original:

Peter Abaelard erklärt am Anfang seines Projekts einer theologischen Gesamtdarstellung den Glauben
Tria sunt, ut arbitror, in quibus humanae salutis summa consistit, fides videlicet, caritas et sacramenta. [...] Est quippe fides existimatio rerum non apparentium, hoc est sensibus corporeis non subiacentium.

Quelle: Peter Abaelard: Theologia ,Scholarium‘ /Theologia ,Scholarium‘ (Tsch.) I 1-2 (p. 318, 1-6).
Edition: Petri Abaelardi Opera theologica 3. Theologia ,Summi Boni‘. Theologia ,Scholarium‘. Cura et studio E. M. Buytaert et C. J. Mews (Corpus Christianorum. Continuatio mediaevalis 13), Turnhout 1987.

Auslegung:

Dieses kurze Zitat enthält in seinen beiden Sätzen wichtige Grundlegungen für die mittelalterliche christliche Wissenschaft, die so genannte Scholastik, deren Methodik durch Peter Abaelard bedeutende Impulse erhält.
Das Zitat liefert in seinem ersten Teil eine kurze Einführung in Abaelards persönliche Herangehensweise an eine theologische Gesamtdarstellung, die sich seiner Meinung nach anhand der Hauptthemen Glaube, Liebe und Sakrament orientieren sollte. Dieses Schema, das nur in Abaelards Sentenzensammlungen voll ausgeführt erhalten ist, ist eines von mehreren Modellen für die Systematisierung von Gesamtdarstellungen der christlichen Lehre, die aus dem 12. Jahrhundert erhalten ist. An ihm sieht man den Anspruch der mittelalterlichen Scholastik große Stoffmengen, in geordneter Weise darzustellen.
Im zweiten Teil bietet das Zitat einen Ansatz zu einer wissenschaftlichen Behandlung des Glaubensbegriffs, indem dieser Begriff einer Definition im Sinne der aristotelischen Logik unterzogen wird. Dabei stellt „Einschätzung“ (existimatio) den Gattungsbegriff dar, während der Bezug auf unkörperliche Dinge den Artbegriff der Diskussion ausmacht. Der gelernte Logiker Abaelard greift somit bewusst auf philosophische Methoden aus der Antike zur Erklärung des christlichen Glaubensgutes zurück. Diese Herangehensweise an den Glauben wird bald von Bernhard von Clairvaux deswegen kritisiert, weil hier „Glauben“ als eine Art Meinung verstanden werde – und nicht als ein festes und unerschütterliches Vertrauensverhältnis zu Gott.
Auch solche Diskussionen tragen zur Konturierung der scholastischen Methode und der Rolle der in Entstehung befindlichen christlichen „Theologie“ als Glaubenswissenschaft bei.

Themen:

  • Gott
  • Glaube
  • Mittelalterliche Philosophie
  • Liebe
  • Scholastik
  • Theologie (christliche/islamische)

Drei Dinge sind es, worin, wie ich meine, die Summe des menschlichen Heils besteht, nämlich Glaube, Liebe (caritas) und Sakramente. [...] „Glaube“ ist eine Einschätzung über „nicht erscheinende Dinge“ (Hebr 11, 1), das heißt über solche, die den körperlichen Sinnen nicht unterliegen [...].


Übersetzer: Matthias Perkams