Original:
Petrus Abaelardus definiert Freiheit als Vernunftkonformität
Denique et nonnulli ad hoc liberum reduxerunt arbitrium, ut his tantum ipsum concedant qui et bene facere et male possunt. [...] At vero qui diligentius liberum arbitrium inspexerunt, nulli bene facienti hoc deesse dixerunt, maxime autem deo [...] Generaliter itaque ac verissime liberum arbitrium dicitur, cum quislibet quod ex ratione decreverit, voluntarie ac sine coactione adimplere valebit. Quae quidem libertas arbitrii tam deo quam hominibus aeque indubitanter inest, quicumque rectae voluntatis facultate privati non sunt.
Quelle:
Peter Abaelard:
Theologia ,Scholarium‘
/
Theologia ,Scholarium‘
(
Tsch.)
III 89f.
Edition: Petri Abaelardi Opera theologica 3. Theologia ,Summi Boni‘. Theologia ,Scholarium‘. Cura et studio E. M. Buytaert et C. J. Mews (Corpus Christianorum. Continuatio mediaevalis 13), Turnhout 1987.
Auslegung:
Abaelard skizziert hier seine Definition der freien Entscheidung (
liberum arbitrium). Wohl unter dem Einfluss des Anselm von Canterbury (Zitat Nummer 613), möchte er dabei ein Verständnis von Freiheit entwickeln, das sowohl auf den Menschen als auch auf Gott zutrifft. Daher kommt die Freiheit der alternativen Möglichkeiten nicht infrage, weil sie implizieren würde, dass Gott auch etwas Böses wählen könnte (vgl. auch Zitat Nummer 615). Abaelard definiert daher die freie Entscheidung, im Anschluss an Boethius, als die Fähigkeit, das willentlich Beschlossene auch umzusetzen. Er versteht also Freiheit im Wesentlichen als effektive Selbstkontrolle. Dabei bestreitet er nicht, dass der Mensch die Möglichkeit hat, sich zwischen verschiedenen Möglichkeiten zu entscheiden – nur sieht er hierin eben nicht die Definition von Freiheit. Daran zeigt sich sehr schön, dass „freie Entscheidung“ für Abaelard, wie für andere Autoren des latinischen Mittelalters, einen Wert darstellt, der nicht notwendig mit einer Entscheidungsfähigkeit zusammenfallen muss.
Themen:
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Entscheidungsfreiheit
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Freiheit (Vorlesung)
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Vernunft
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Gott und die Welt
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Gott