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Philosophische Zitate aus Antike und Mittelalter

Peter Abaelard: Logica ,Ingredientibus‘ zur Eisagoge (p. 2 Geyer)

Original:

Peter Abaelard (1079-1142) über den Aufbau der Logik
In scribendo autem logicam hic ordo necessarius est, ut quoniam argumentationes ex propositionibus iunguntur, propositiones dictionibus, eum qui logicam perfecte scribit, primum de simplicibus sermonibus, deinde de propositionibus necesse est scribere, tandem in argumentationibus finem logicae consummare.

Quelle: Peter Abaelard: Logica ,Ingredientibus‘ zur Eisagoge (p. 2 Geyer).
Edition: B. Geyer, Peter Abaelards philosophische Schriften 1-3 (Beiträge zur Geschichte der Philosophie des Mittelalters 21, 1-3), Münster 1919-1927.

Auslegung:

In diesem Zitat vom Beginn seiner Logica ,Ingredientibus‘ (d.h. der Version von Abaelards Logik, deren erstes Wort ,Ingredientibus‘ lautet) erläutert Abaelard, wie seiner Meinung nach eine Darstellung der Logik aufgebaut sein soll: Zu beginnen hat man mit der Behandlung der Einzelbegriffe, der Termini, sodann folgt die Behandlung der Sätze bzw. Aussagesätze (Propositionen) und schließlich die der logischen Schlüsse. Dieser Aufbau ist dem spätantiken Curriculum aristotelischer Schriften entlehnt, nach welchem das Aristoteles-Studium beginnen soll mit dem Studium der Kategorien, in denen das Verständnis der Begriffe gelehrt werde; sodann soll die Hermeneutik (De interpretatione) folgen, die sich mit Sätzen beschäftigten, und schließlich die Ersten Analytiken (Analytica priora), deren Gegenstand die logischen Schlüsse seien. Diese drei Bücher finden sich in dieser Reihenfolge z.B. auch in al-Fārābīs Katalog der Wissenschaften, der ebenfalls auf das spätantike Curriculum zurückgeht (Zitat Nummer 438). Anders als die Araber kannten die Lateiner (und die Syrer) zu Beginn nur das so genannte kurze Organon aus den drei genannten Schriften, während al-Fārābī das lange Organon aus acht Schriften kennt; bei den Lateinern war dieses kurze Schema, das Abaelard hier zitert, unter dem Namen logica vetus (alte Logik) bekannt, während die logica nova (neue Logik) ein Organon bezeichnet, das die fünf Schriften einschließt.
Abaelard zitiert den genannten Aufbau hier zu Beginn eines Werkes, das aus Kommentaren zu den drei genannten Schriften, also aus formal heteronomen Texten, besteht. Er zitiert ihn auch zu Beginn seiner Dialectica, die eine systematische Darstellung ist, deren Aufbau sich aber ebenfalls am hier genannten Schema orientiert. Dieser Aufbau bleibt im Mittelalter lange erhalten und findet sich z.B. auch noch um 1310 in Ockhams Summe der Logik (Zitat Nummer 69).

Themen:

  • Logik
  • Mittelalterliche Philosophie
  • Heteronome Texte
  • Kommentar/Kommentierung
  • Satz/Sätze
  • Schluss(folgerung)

Beim Schreiben einer Logik ist die folgende Anordnung notwendig: Weil Argumentationen aus Aussagesätzen bestehen und Aussagesätze aus Aussagen, muss der, der auf vollkommene Weise eine Logik schreibt, zuerst über einfache Aussagen, dann über Aussagesätze schreiben und zuletzt bei den Argumentationen das Ziel der Logik vollenden.


Übersetzer: Matthias Perkams