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Philosophische Zitate aus Antike und Mittelalter

Unbekannt: Koran Sure 40, Vers 68 bzw. 69

Original:

Auch der Koran betont die unmittelbare Schöpfermacht Gottes
هو الدي يُحي ويميت فإدا قضر أمرا فأنما يقول له كن فيكون.


Quelle: Unbekannt: Koran Sure 40, Vers 68 bzw. 69.
Edition: Kairiner Koranausgabe (1924)

Auslegung:

Dieser Koranvers betont die Macht Gottes als Schöpfer. Ganz analog zu älteren Lehren göttlicher Allmacht, wie sie etwa schon von Galen kritisiert wurden (Zitat Nummer 53), betont sie die direkte Schöpfermacht Gottes: Gott hat nicht nur die Macht über Leben und Tod, sondern er braucht auch nur den direkten Befehl „sei“ zu geben, und schon ist eine Sache. – Damit setzt der Vers die Lehre der Schöpfung aus dem Nichts (creatio ex nihilo), die sich in patristischer Zeit entwickelt hat, voraus. Auch die Sprache ist im Vergleich zur Schöpfungserzählung der jüdischen Bibel sehr abstrakt: Während dort erzählt wird, wie Gott durch sein Wort ein Element der Welt nach dem anderen erschafft (vgl. Zitat Nummer 830), besteht das göttliche Wort im Koran einfach in dem Befehl „sei!“, so dass hier vorausgesetzt zu sein scheint, dass Gott jedwedes Ding aus der Nicht-Existenz in die Existenz überführen kann. Trotz seiner Knappheit wirkt die Sprache des Koran daher inhaltsreich und ist geeignet, intensive Diskussionen über die richtige Interpretation hervorzurufen.

Themen:

  • Judentum und Islam
  • Allmacht Gottes
  • Islam und Philosophie
  • Schöpfung
  • Sein

Er ist es, der lebendig macht und sterben lässt. Und wenn er ein Ding (amr) beschließt, spricht er nur zu ihm "sei", und es ist (kun wajakūnu).


Übersetzer: Henning/Hofmann