Original:
Auch Heloissa fällt es schwer, mit dem Geschehenen fertig zu werden
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Quelle:
Heloissa (Héloïse):
Zweiter Brief Heloissas
4. bzw. 3. Brief der Sammlung (p. 121, l. 173-179 Monfrin).
Edition: Abélard, Historia calamitatum. Texte critique avec une introduction par J. Monfrin, Paris 31967.
Auslegung:
Dieses Zitat spricht in einer bemerkenswert offenen Weise über die Sehnsucht einer religiös lebenden Frau nach ihrem alten Beziehungsleben. Es hat immer als eine für eine mittelalterliche Frau ungewöhnliche Äußerung gegolten, zumal es von einer der gebildetsten und berühmtesten Frauen des Mittelalters stammt.
Es stammt aus einem Brief, den Heloise, die Frau Abaelards, als Antwort auf die
Geschichte meiner Leiden (vgl. Zitat Nummer 46) an Abaelard schreibt. Seit dem stürmischen Beginn ihrer Affäre ist seitdem einiges passiert: Abaelard hat sich nach seiner Kastration (Zitat Nummer 46) ins Kloster zurückgezogen und ist schließlich doch wieder als Lehrer nach Paris zurückgekehrt. Heloise ist inzwischen Äbtissin des Frauenklosters Paraklet, das sie auf einem Abaelard gehörigen Stück Land gegründet hat. Gerade Heloise wünscht sich die alte Nähe zurück und macht keinen Hehl daraus, dass sie ihre eigene Reue über die gemeinsamen Ausschweifungen als unehrlich empfindet – denn nach wie vor sehnt sie sich danach zurück.
Diese Offenheit Heloises ergibt sich insofern aus dem Inhalt des Briefwechsels mit Abaelard, als dieser versucht, seine Frau zu einer wahrhaft christlichen Haltung zurückzuführen. Dies gelingt allenfalls langsam, bevor der Briefwechsel in eine Regel Abaelards für das klösterliche Zusammenleben im Paraklet ausläuft.
Themen:
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Liebe
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Mittelalterliche Philosophie
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Sünde
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Begehren/Begierde
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Buße