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Philosophische Zitate aus Antike und Mittelalter

Bibel, Neues Testament (Autor unbekannt): Evangelium nach Johannes 20, 24-29

Original:

Das Johannesevangelium (vermutlich ca. 90/100 n. Chr.) erzählt die Geschichte vom ,ungläubigen Thomas‘ als Ermahnung zum Glauben
Θῶμας δὲ εἷς ἐκ τῶν δώδεκα, ὁ λεγόμενος Δίδυμος, οὐκ ἦν μετ᾿ αὐτῶν ὅτε ἦλθεν Ἰησοῦς. ἔλεγον οὖν αὐτῷ οἱ ἄλλοι μαθηταί· ἑωράκαμεν τὸν κύριον. ὁ δὲ εἶπεν αὐτοῖς· ἐὰν μὴ ἴδω ἐν ταῖς χερσὶν αὐτοῦ τὸν τύπον τῶν ἥλων καὶ βάλω τὸν δάκτυλόν μου εἰς τὸν τύπον τῶν ἥλων καὶ βάλω μου τὴν χεῖρα εἰς τὴν πλευρὰν αὐτοῦ, οὐ μὴ πιστεύσω. Καὶ μεθ᾿ ἡμέρας ὀκτὼ πάλιν ἦσαν ἔσω οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ καὶ Θῶμας μετ᾿ αὐτῶν. ἔρχεται ὁ Ἰησοῦς τῶν θυρῶν κεκλεισμένων καὶ ἔστη εἰς τὸ μέσον καὶ εἶπεν· εἰρήνη ὑμῖν. εἶτα λέγει τῷ Θῶμᾳ· φέρε τὸν δάκτυλον σου ὧδε καὶ ἴδε τὰς χεῖράς μου καὶ φέρε τὴν χεῖρά σου καὶ βάλε εἰς τὴν πλευράν μου, καὶ μὴ γίνου ἄπιστος ἀλλὰ πιστός. ἀπεκρίθη Θῶμας καὶ εἶπεν αὐτῷ· ὁ κύριος μου καὶ ὁ θεός μου. λέγει αὐτῷ ὁ Ἰησοῦς· ὅτι ἑώρακάς με πεπίστευκας; μακάριοι οἱ μὴ ἰδόντες καὶ πιστεύσαντες.

Quelle: Bibel, Neues Testament (Autor unbekannt): Evangelium nach Johannes /Ευαγγέλιον Κατὰ Ιωάννην /euangelion kata Iōannēn 20, 24-29.
Edition: Novum testamentum Graece. Begründet von E. und E. Nestle. Heraugegeben von B. und K. Aland / J. Karavidopoulos / C. M. Martini / B. M. Metzger, 28. revidierte Auflage, Stuttgart 2012 (griech.).

Auslegung:

Dieser Text aus dem spätesten neutestamentlichen Evangelium, das traditionell dem Apostel Johannes zugeschrieben wird, ist eine berühmte erzählerische Darstellung der Bedeutung des Glaubens an Gott: Nachdem Christus gestorben und am dritten Tag danach auferstanden ist, erscheint er seinen Jüngern mehrmals in körperlicher Gestalt. Thomas, der bei diesen Erscheinungen nicht dabei war, glaubt ihren Berichten aber nicht, sondern mag nur glauben, wenn er den auferstandenen Christus körperlich berühren kann. Dessen Erscheinung wird auch ihm zuteil, ist aber mit der Ermahnung verbunden, auch dann zu glauben, wenn man die Wahrheit des Geglaubten gerade nicht sieht. Im Gegensatz zu den Aussagen der früheren Evangelien über den Glauben (Zitate Nummer 55 und 56) ist dieser Text für eine Situation geschrieben, in der Christen Zweifel über die körperliche Auferstehung Jesu haben konnten. Es geht also in besonderem Maße um Glaube als die Akzeptanz dieses überlieferten Faktums. Aufgerufen wird aber auch hier zu einem persönlichen Vertrauen in die von Gott ausgehende Überlieferung, die für den christlichen Glaubensbegriff typisch ist. Im Hinblick auf die Auferstehung zeigt der Text, dass die Vorstellung davon nicht ganz klar ist: Zwar wird einerseits die Körperlichkeit Christi durch die Berührung von dessen Wunden betont. Andererseits erscheint Christus nicht als körperliches Wesen wie ein irdischer Mensch, sondern er erscheint nur in bestimmten Situationen.

Themen:

  • Tod und Sterben
  • Auferstehung
  • Glaube
  • Jesus Christus
  • Körper
  • Körperliches/Unkörperliches

Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die anderen Schüler zu ihm: "Wir haben den Herrn gesehen." Er aber sprach zu ihnen: "Wenn ich nicht an seinen Händen die Male der Nägel sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich das nicht." Und nach acht Tagen waren seine Schüler abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Da kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und stellt sich in die Mitte und sagte: "Friede sei mit euch." Danach spricht er zu Thomas: "Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: "Mein Herr und mein Gott." Da spricht Jesus zu ihm: "Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du. Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben."


Übersetzer: Lutherbibel (revidiert 1984), leicht geändert von Matthias Perkams