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Philosophische Zitate aus Antike und Mittelalter

Robert von Melun: Zusammenstellung der Lehrsätze I, II, (0), praefatio et 1

Original:

Robert von Melun erläutert die besondere Rolle des Menschen im Vergleich zu anderen Wesen
[1] Unum […] eorum que in principali enumeratione suscepti tractatus proposita sunt […] a dubitatione quantum potui absolvi, i.e. causam creationis hominis […]. Et ideo, […] quod secundum in enumeratione tenet locum, […] qualis homo factus sit, diligenti investigatione est prosequendum. […]
[2] Factus est itaque homo ex duabus substantiis, una scilicet corporea et altera in-corporea. Inquantum ex corporea est, cum ceteris animalibus communis nature habet participationem, sed in forme compositione ad alia animantia differen¬tiam habet. Nam illa formam ad terram inclinatam habent et pronam, ex quo significatur preter ea que terrena sunt ab eis nulla esse appetenda. Hominis vero forma in altum erigitur […], quo liquide declaratur eum illa que sursum sunt sapere debere et tota mentis intentione illuc tendere, ubi Chri¬stus sedet ad dexteram dei patris.

Quelle: Robert von Melun: Zusammenstellung der Lehrsätze /Sententiae I, II, (0), praefatio et 1.
Edition: Richard Heinzmann: Die Unsterblichkeit der Seele und die Auferstehung des Leibes. Eine problemgeschichtliche Untersuchung der frühscholastischen Sentenzen- und Summenliteratur von Anselm von Laon bis Wilhelm von Auxerre, Münster 1965, p. 86-102.

Auslegung:

Dieser Auszug stammt aus dem Anfang vom zweiten Hauptteil des ersten Buches von Robert von Meluns großer Sentenzensumme. Bemerkenswert an diesem Text ist sein ausgeprägtes Interesse an einer Theorie des Menschen, also nicht an einer Seelenlehre, sondern an einer Behandlung des Menschen in seiner Gesamtheit. Dazu soll nun, nach der Ursache der Schöpfung, die menschliche Natur untersucht werden. Hierzu betont Robert zum einen die Gemeinsamkeit von Mensch und Tier, zum anderen die menschliche Gestalt und die aufgerichtete Haltung des Menschen, die – in einer traditionellen Formel – als Symbol für das Streben des Menschen nach Höherem verstanden werden.

Themen:

  • Mensch und Seele
  • Körper
  • Mensch
  • Natur (des Menschen)
  • Streben

[1] Eines […] von dem, was in der Hauptaufzählung der begonnenen Abhandlung dargelegt wurde […], habe ich, soweit ich konnte, von Zweifel befreit, nämlich die Ursache für die Schöpfung des Menschen […]. Und daher […] ist das, was den zweiten Platz in der Aufzählung hat […], wie der Mensch geschaffen wurde, in einer sorgfältigen Untersuchung zu verfolgen. […]
[2] Der Mensch wurde nun aus zwei Substanzen geschaffen, nämlich einer körperlichen und einer anderen unkörperlichen. Insofern er aus einer körperlichen besteht, hat er mit den anderen Lebewesen die Teilhabe an der Natur gemeinsam. Aber in der Zusammensetzung der Form weist er einen Unterschied zu anderen Lebewesen auf. Denn diese haben eine zur Erde geneigte und tendierende Form, womit bezeichnet ist, dass von ihnen nichts erstrebt werden muss außer dem Irdischen. Die Form des Menschen aber ist hoch aufgerichtet […], wodurch deutlich angezeigt wird, dass er das schmecken soll, was oben ist, und mit ganzem Bemühen des Geistes dorthin tendieren, wo Christus zur Rechten des Vaters sitzt.


Übersetzer: Matthias Perkams