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Philosophische Zitate aus Antike und Mittelalter

Thema: Urgewissen/Synderesis

2 Zitate zu diesem Thema im Zitatenschatz:

  • Origenes: Römerbriefkommentar (Origenes) 2, 14-16 (Bd. 1, p. 230-232 Heither)

    Der Kirchenvater Origenes deutet Paulus‘ Aussagen im <i>Römerbrief</i> als Theorie der Freiheit des Gewissens (<i>libertas conscientiae</i>)
    [1] Und der Apostel [Paulus] sagt, dass diejenigen das Zeugnis eines gesunden Gewissens besitzen, die das in die Herzen eingeschriebene Gesetz einhalten. Daher scheint es notwendig zu erörtern, was dasjenige sei, das der Apostel Gewissen nennt; ob es eine andere Substanz ist als das Herz oder die Seele. Denn von diesem Gewissen wird auch anderswo [in der Bibel] gesagt, dass es tadelt und nicht getadelt wird und den Menschen richtet, selbst aber nicht gerichtet wird. [...]
    [2] Weil ich also bei ihm [diesem Vermögen] eine so große Freiheit sehe, dass es sich immer an den guten Taten freut und über sie jubelt, für die schlechten aber nicht angeklagt wird, sondern die Seele, der es anhängt, tadelt und anklagt, meine ich, dass es der Geist ist, von dem der Apostel sagt, er sei mit der Seele [...] verbunden wie ein Erzieher und Leiter, um sie über das Bessere zu ermahnen und über die Schuld zu strafen und anzuklagen.
  • Robert von Melun: Zusammenstellung der Lehrsätze (Sententiae ) I, II, [0], 144

    Robert von Melun erkennt jedem Menschen einen natürlichen Willen zum Guten an
    So wie es für die Seele natürlich ist, das Gute vom Schlechten zu unterscheiden, so ist es ihr natürlich, das Gute zu wollen und natürlich zu ihm hinzustreben. Das macht sie auch immer dann, wenn sie keinerlei Lohn für ein Verdienst davon hat, weil sie das auch tut [...], wenn sie in jedem beliebigen Verbrechen befangen ist, nämlich natürlicherweise das Gute zu wollen und es natürlicherweise zu lieben. [...] Weil es keinen Menschen gibt, der natürlicherweise nicht den Zustand des Lebens wünscht und begehrt, in dem weder ein Seufzen noch ein Schmerz da sein kann, gibt es keinen, der nicht natürlicherweise die ewige Seligkeit wünscht und begehrt. [...] Hieraus kann geschlossen werden, dass jeder Mensch natürlicherweise das höchste Gut besitzen und es natürlicherweise lieben will. Das würden [...] selbst die, die in der Hölle sind, [...] gerne besitzen. Denn wenn sie es nicht zu besitzen wünschten, wäre es für sie niemals eine Qual, es zu entbehren.