Original:
In der Theologischen Elementarlehre des Neuplatonikers Proklos (412-485) finden sich programmatische Formulierungen der Wirkungen einer höheren auf eine niedrigere Ursache
(56) Πᾶν τὸ ὑπὸ τῶν δευτέρων παραγόμενον καὶ ἀπὸ τῶν προτέρων καὶ αἰτι-ωτέρων παράγεται μειζόνως, ἀφ’ ὧν καὶ τὰ δεύτερα παρήγετο.
εἰ γὰρ τὸ δεύτερον ὅλην ἔχει τὴν οὐσίαν ἀπὸ τοῦ πρὸ αὐτοῦ, καὶ ἡ δύναμις αὐτῷ τοῦ παράγειν ἐκεῖθεν· […] εἰ δὲ τὴν τοῦ παράγειν δύναμιν ἀπὸ τῆς ὑπερκειμένης αἰτίας ἔλαχε, παρ’ ἐκείνης ἔχει τὸ εἶναι αἴτιον ὧν ἐστιν αἴτιον […]. εἰ δὲ τοῦτο, καὶ τὰ ἀπ’ αὐτοῦ προϊόντα αἰτιατά ἐστι διὰ τὸ πρὸ αὐτοῦ. […]
(57) Πᾶν αἴτιον καὶ πρὸ τοῦ αἰτιατοῦ ἐνεργεῖ καὶ μετ’ αὐτὸ πλειόνων ἐστὶν ὑποστατικόν.
εἰ γάρ ἐστιν αἴτιον, τελειότερόν ἐστι καὶ δυνατώτερον τοῦ μετ’ αὐτό. καὶ εἰ τοῦτο, πλειόνων αἴτιον· δυνάμεως γὰρ μείζονος τὸ πλείω παράγειν, ἴσης δὲ τὰ ἴσα, καὶ τῆς ἐλάττονος ἐλάττω. […] Συνυφίστησιν ἄρα αὐτῷ πάντα ὅσα πέ- φυκε παράγειν.
Quelle:
Proklos:
Theologische Elementarlehre
/
Elementatio theologica
(
el. theol.)
§ 56 und 57, gekürzt.
Edition: Proclus, ›The Elements of Theology‹. A Revised Text with Translation, Introduction and Commentary by E. R. Dodds, Oxford 1964 = Proklos, ›Theologische Grundlegung‹. Griechisch – Deutsch. Übersetzt und mit einer Einleitung sowie einem durchgängigen erläuternden Kommentar versehen von E.-O. Onnasch / B. Schomakers (Philosophische Bibliothek 562), Hamburg 2015.
Auslegung:
In diesem Text aus seiner
Theologischen Elementarlehre (vgl. Zitat Nummer 854) behandelt Proklos das Problem der Kausalität aus neuplatonischer Perspektive. Insbesondere begründet Proklos hier, dass etwas Verursachtes nicht nur von seiner unmittelbaren Wirkursache verursacht sein muss. Gerade im Bereich der transzendenten Hypostasen ist es vielmehr so, dass die höchsten Ursachen, so wie die Ausprägungen des Einen (Henaden bzw. Götter; vgl. Zitat Nummer 281) und die ihnen untergeordneten höchsten Ausprägungen des Geistes (Monaden), weiter nach unten wirken als die von ihnen verursachten Entitäten: So wirken die Henaden nicht nur auf den Geist, sondern auch auf die Seele und die Körperwelt, während die niederen Formen des Geistes nur auf die Seele wirken. Dieses „Prinzip der Tiefenwirkung“ hat beträchtliche Auswirkungen für die neuplatonische Ontologie. – Eine durch das
Buch von den Ursachen (
Liber de causis) vermittelte Interpretation des Thomas von Aquin findet sich in Zitat Nummer 1012).
Themen:
-
Proklos
-
Mittelalterliche Philosophie
-
Kausalität
-
Neuplatonismus
-
Ontologie
-
Sein
-
Transzendenz