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Philosophische Zitate aus Antike und Mittelalter

Bibel, Neues Testament (Paulus von Tarsus): 1. Korintherbrief 10, 23-31

Original:

Der Apostel Paulus über die Gewissensfreiheit des Christen
23 Πάντα ἔξεστιν ἀλλ᾽ οὐ πάντα συμφέρει· πάντα ἔξεστιν ἀλλ᾽ οὐ πάντα οἰκοδομεῖ. 24 μηδεὶς τὸ ἑαυτοῦ ζητείτω ἀλλὰ τὸ τοῦ ἑτέρου. 25 Πᾶν τὸ ἐν μακέλλῳ πωλούμενον ἐσθίετε μηδὲν ἀνακρίνοντες διὰ τὴν συνείδησιν· 26 τοῦ κυρίου γὰρ ἡ γῆ καὶ τὸ πλήρωμα αὐτῆς. 27 εἴ τις καλεῖ ὑμᾶς τῶν ἀπίστων καὶ θέλετε πορεύεσθαι, πᾶν τὸ παρατιθέμενον ὑμῖν ἐσθίετε μηδὲν ἀνακρίνοντες διὰ τὴν συνείδησιν. 28 ἐὰν δέ τις ὑμῖν εἴπῃ· τοῦτο ἱερόθυτόν ἐστιν, μὴ ἐσθίετε δι᾽ ἐκεῖνον τὸν μηνύσαντα καὶ τὴν συνείδησιν· 29 συνείδησιν δὲ λέγω οὐχὶ τὴν ἑαυτοῦ ἀλλὰ τὴν τοῦ ἑτέρου. ἱνατί γὰρ ἡ ἐλευθερία μου κρίνεται ὑπὸ ἄλλης συνειδήσεως; [...] 31 Εἴτε οὖν ἐσθίετε εἴτε πίνετε εἴτε τι ποιεῖτε, πάντα εἰς δόξαν θεοῦ ποιεῖτε.

Quelle: Bibel, Neues Testament (Paulus von Tarsus): 1. Korintherbrief (1 Kor) 10, 23-31.
Edition: Novum testamentum Graece. Begründet von E. und E. Nestle. Heraugegeben von B. und K. Aland / J. Karavidopoulos / C. M. Martini / B. M. Metzger, 28. revidierte Auflage, Stuttgart 2012 (griech.).

Auslegung:

In diesem Text beschäftig sich der Apostel Paulus mit der Freiheit des Gewissens gegenüber äußeren religiösen Annahmen sowie mit seiner Verpflichtung gegenüber den Mitmenschen (vgl. auch das ähnliche Zitat Nummer 1027). Einerseits betont Paulus die Freiheit des Christen (vgl. Zitat Nummer 543), jede Speise unabhängig von ihrer religiösen Konnotation zu essen. An die Stelle der teils strikten religiösen Speisevorschriften anderer Religionen stellt er damit das einsichtsvolle Urteil des Einzelnen, der sich darauf verlassen kann, dass alle Elemente der Welt dem Gott untertan sind, an den er glaubt. Während es also Gott gegenüber eine große Freiheit gibt, betont Paulus im Folgenden das rechte Verhalten gegenüber anderen Menschen: Während sein Beispiel in Zitat Nummer 1027 ein weniger sicherer Mitchrist ist, ist es hier der nichtchristliche Gastgeber: Wenn er explizit darauf hinweist, dass das angebotene Fleisch Götzenopferfleisch ist, soll man es nicht essen, um ihm keinen Anstoß zu liefern. Letztlich ist das aber eine Gewissensentscheidung, die sich ausschließlich am Ruhme Gottes orientiert, aber doch dem Mitmenschen gegenüber so auftreten soll, dass die eigenen Glaubensüberzeugungen deutlich werden. Durch diese Fokussierung auf das eigene Urteil im Gewissen bereitet Paulus die christliche Gewissenslehre und darüber hinaus die Betonung des individuellen Urteils vor, die gerade in der westlichen Welt bis heute prägend ist – ohne dass die Differenziertheit von Paulus’ Ratschlägen stets erreicht würde.

Themen:

  • Gesetz und Gewissen
  • Gewissensfreiheit
  • Freiheit
  • Gesetz (religiöses)
  • Gewissen
  • Götter
  • Speisen/Speisevorschriften

Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf. Keiner suche seine eigene Angelegenheit, sondern die des anderen. Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, esst, ohne einen Unterschied zu machen wegen des Gewissens. Denn dem Herrn gehört die Erde und, was sie erfüllt. Wenn einer der Ungläubigen euch einlädt und ihr wollt gehen, dann esst alles, was euch vorgesetzt wird, ohne einen Unterschied zu machen wegen des Gewissens. Aber wenn euch jemand sagt: "Dies ist Götzenopferfleisch", esst es nicht, um dessentwillen, der darauf hinweist, und um des Gewissens willen. Gewissen nenne ich nicht nur das eigene, sondern das des anderen. Denn wozu soll meine Freiheit unter einem anderen Gewissen verurteilt werden? [...] Wenn ihr nun esst, wenn ihr trinkt, wenn ihr irgendetwas tut, tut es zum Ruhm Gottes.


Übersetzer: Matthias Perkams, unter Verwendung der Einheitsübersetzung

23 omnia licent sed non omnia aedificant 24 nemo quod suum est quaerat sed quod alterius 25 omne quod in macello venit manducate nihil interrogantes propter conscientiam 26 Domini est terra et plenitudo eius 27 si quis vocat vos infidelium et vultis ire omne quod vobis adponitur manducate nihil interrogantes propter conscientiam 28 si quis autem dixerit hoc immolaticium est idolis nolite manducare propter illum qui indicavit et propter conscientiam 29 conscientiam autem dico non tuam sed alterius ut quid enim libertas mea iudicatur ab alia conscientia [...] 31 sive ergo manducatis sive bibitis vel aliud quid facitis omnia in gloriam dei facite.


Übersetzer: Biblia sacra iuxta Vulgatam versionem. Adiuvantibus B. Fischer / I. Gribomont / H. F. D. Sparks / W. Thiele recensuit et brevi apparatu critico instruxit R. Weber. Editionem quintam emendatam retractatam praeparavit R. Gryson, Stuttgart 2007, p. 1513–1906.