Original:
Der Apostel Paulus über die Gewissensfreiheit des Christen
23 Πάντα ἔξεστιν ἀλλ᾽ οὐ πάντα συμφέρει· πάντα ἔξεστιν ἀλλ᾽ οὐ πάντα οἰκοδομεῖ. 24 μηδεὶς τὸ ἑαυτοῦ ζητείτω ἀλλὰ τὸ τοῦ ἑτέρου. 25 Πᾶν τὸ ἐν μακέλλῳ πωλούμενον ἐσθίετε μηδὲν ἀνακρίνοντες διὰ τὴν συνείδησιν· 26 τοῦ κυρίου γὰρ ἡ γῆ καὶ τὸ πλήρωμα αὐτῆς. 27 εἴ τις καλεῖ ὑμᾶς τῶν ἀπίστων καὶ θέλετε πορεύεσθαι, πᾶν τὸ παρατιθέμενον ὑμῖν ἐσθίετε μηδὲν ἀνακρίνοντες διὰ τὴν συνείδησιν. 28 ἐὰν δέ τις ὑμῖν εἴπῃ· τοῦτο ἱερόθυτόν ἐστιν, μὴ ἐσθίετε δι᾽ ἐκεῖνον τὸν μηνύσαντα καὶ τὴν συνείδησιν· 29 συνείδησιν δὲ λέγω οὐχὶ τὴν ἑαυτοῦ ἀλλὰ τὴν τοῦ ἑτέρου. ἱνατί γὰρ ἡ ἐλευθερία μου κρίνεται ὑπὸ ἄλλης συνειδήσεως; [...] 31 Εἴτε οὖν ἐσθίετε εἴτε πίνετε εἴτε τι ποιεῖτε, πάντα εἰς δόξαν θεοῦ ποιεῖτε.
Quelle:
Bibel, Neues Testament (Paulus von Tarsus):
1. Korintherbrief
(
1 Kor)
10, 23-31.
Edition: Novum testamentum Graece. Begründet von E. und E. Nestle. Heraugegeben von B. und K. Aland / J. Karavidopoulos / C. M. Martini / B. M. Metzger, 28. revidierte Auflage, Stuttgart 2012 (griech.).
Auslegung:
In diesem Text beschäftig sich der Apostel Paulus mit der Freiheit des Gewissens gegenüber äußeren religiösen Annahmen sowie mit seiner Verpflichtung gegenüber den Mitmenschen (vgl. auch das ähnliche Zitat Nummer 1027). Einerseits betont Paulus die Freiheit des Christen (vgl. Zitat Nummer 543), jede Speise unabhängig von ihrer religiösen Konnotation zu essen. An die Stelle der teils strikten religiösen Speisevorschriften anderer Religionen stellt er damit das einsichtsvolle Urteil des Einzelnen, der sich darauf verlassen kann, dass alle Elemente der Welt dem Gott untertan sind, an den er glaubt. Während es also Gott gegenüber eine große Freiheit gibt, betont Paulus im Folgenden das rechte Verhalten gegenüber anderen Menschen: Während sein Beispiel in Zitat Nummer 1027 ein weniger sicherer Mitchrist ist, ist es hier der nichtchristliche Gastgeber: Wenn er explizit darauf hinweist, dass das angebotene Fleisch Götzenopferfleisch ist, soll man es nicht essen, um ihm keinen Anstoß zu liefern. Letztlich ist das aber eine Gewissensentscheidung, die sich ausschließlich am Ruhme Gottes orientiert, aber doch dem Mitmenschen gegenüber so auftreten soll, dass die eigenen Glaubensüberzeugungen deutlich werden. Durch diese Fokussierung auf das eigene Urteil im Gewissen bereitet Paulus die christliche Gewissenslehre und darüber hinaus die Betonung des individuellen Urteils vor, die gerade in der westlichen Welt bis heute prägend ist – ohne dass die Differenziertheit von Paulus’ Ratschlägen stets erreicht würde.
Themen:
-
Gesetz und Gewissen
-
Gewissensfreiheit
-
Freiheit
-
Gesetz (religiöses)
-
Gewissen
-
Götter
-
Speisen/Speisevorschriften