Die klassische Definition der Person, wie sie von Boethius um 520 formuliert wurde
Wenn es daher eine Person nur unter den Substanzen gibt, und zwar unter den vernunftbegabten, und wenn jede Substanz eine Natur ist und wenn sie nicht in Allgemeinem, sondern in Einzelnem besteht, so ist die Definition von Person gefunden: ,eine einzelne Substanz der rationalen Natur‘. Mit dieser Definition haben wir aber diejenige bezeichnet, die die Griechen Hypostase nennen.
Während die Kappadokier erläutern, warum ein Gott korrekterweise in drei Personen bestehen kann, begründen sie die modernen Begriffe ,Person‘ und ,Individuum‘, wie sich an diesem Text Gregor von Nyssas zeigt
[1] Wenn der Name ,Gott‘ eine Person [wörtl.: Gesicht, Maske] bezeichnen würde, würden wir, wenn wir von drei Personen sprechen, notwendigerweise drei Götter aussagen. Wenn aber der Name ,Gott‘ eine Substanz bezeichnend ist, dann legen wir richtig einen Gott als Dogma fest, weil wir eine Substanz der heiligen Trinität bekennen. [...]
[2] Wenn aber jemand sagen sollte, dass wir Peter und Paul und Barnabas als drei einzelne Substanzen bezeichnen – denn dies sei die eigentümlichere Begriffsverwendung –, mag er wissen, dass wir, wenn wir von einer einzelnen Substanz, d.h. einer speziellen, sprechen, wir nichts anderes bezeichnen wollen als ein Individuum, was dasselbe ist wie eine Person. [...] [3] Aber über die heilige Dreifaltigkeit [...] müssen [...] immer dieselben Personen und nicht jeweils andere ausgesagt werden, weil sie sich gleich und ebenso verhalten und weder eine Hinzufügung zu einer Vierzahl noch eine Veränderung zu einer Zweizahl aufnehmen. Denn weder entsteht aus dem Vater noch aus irgendeiner der [drei göttlichen] Personen eine andere Person oder geht [aus ihm] hervor, noch endet eine dieser drei Personen jemals.
Alkuin (oder ein spätantiker Autor) begründet die Würde des Menschen unter Rückgriff auf die Trinität
Die Würde der Stellung des Menschen ist erkennbarerweise so bedeutend,
dass [...] der Mensch nach dem Ratschluss der heiligen Trinität und durch
eine Tat der göttlichen Majestät geschaffen wurde. [...] Die Seele ist
Intellekt, die Seele ist Wille, die Seele ist Erinnerung, doch sind es nicht drei
Seelen in einem Körper, sondern eine Seele, die drei Würden hat. Und in
diesen dreien realisiert unserer innerer Mensch in seiner Natur auf
wunderbare Weise das Bild der Trinität, und aus diesen gleichsam
herausragendsten Würden der Seele sind wir gehalten, den Schöpfer zu
lieben.
Richard von Sankt Viktor entwickelt während seiner Analyse der Trinität einen Begriff der Person
Eine personale spezifische Eigenschaft nennen wir die, durch welche jeder Einzelne von allen anderen verschieden ist. Denn niemals nennen wir etwas anderes ,Person‘ als jemand Einzelnen, der von allen übrigen durch eine einzigartige spezifische Eigenschaft verschieden ist. Wenn Du also behauptest, eine personale spezifische Eigenschaft sei mitteilbar, ist das dasselbe, als würdest Du sagen, eine Person könnte zwei sein. [...] Hieraus ergibt sich für uns klarerweise [...], dass eine personale spezifische Eigenschaft überhaupt nicht mitteilbar ist.
Robert von Melun über das Problem der menschlichen Identität
[1] Seele und Fleisch sind nämlich eine Person aus der personalen
Vereinigung und nicht aus der substantiellen Identität heraus, so wie auch
ein Mensch die menschliche Seele und das menschliche Fleisch ist, weil sich
aus ihrer Vereinigung miteinander der Grund ergibt, warum etwas ein
Mensch ist und so genannt werden kann.
[2] Es ist aber ein Mensch, der sagt, er diene dem Gesetz Gottes und im
Fleisch dem Gesetz der Sünde (Röm 7) [...]. Denn der innere und äußere
Mensch ist ein Mensch, weil in der Einheit der Person das zusammenkommt,
was ein Mensch ist, über den Verschiedenes ausgesagt wird wegen der
verschiedenen Substanzen, die in der Identität der Person in diesem
Menschen verbunden sind. [...]
[3] Denn nicht auf falsche Weise wird gesagt, Petrus sei in Rom und im
Himmel, sondern wir bitten ihn, der im Himmel existiert, für uns zu beten,
wenn wir sagen „Heiliger Petrus, bitte für uns“, und wir verehren ihn, der in
Rom liegt, mit der schuldigen Frömmigkeit und sagen, dass der, der im
Himmel verherrlicht ist, kein anderer ist als der, der in Rom begraben ruht.